Hendriksen und Danielsson – Super-BCZ-Dänen holen Gold und Bronze
Die Schweizer Einzel-Meisterschaften in der Billard-Königsdisziplin Dreiband fanden am Wochenende im Lokal des Billard Club Zürich statt. Gleich zwei Medaillen blieben in Zürich. Draussen im Binz-Quartier ist es schon dunkel, drei Tische im Saal des Billard Club Zürich sind hell erleuchtet. Ein Räuspern, Kugeln die aufeinander treffen und ein Fingerschnippen sind zu hören. Die letzte Runde des zweitägigen Turniers ist im Gange. Wer Gold holt, ist schon entschieden, doch die anderen sechs Spieler liegen äusserst eng beieinander, jeder gewonnene oder verpasste Punkt kann über eine Platzierung zwischen zwei und sieben nun entscheidend sein. Auf der Leuchttafel werden die Punkte und Anzahl Aufnahmen angezeigt, jede Partie wird von einem Schiedrichter und einem Schreiber geleitet. "Gretillat drei Punkte", sagt der Schiedsrichter an Tisch zwei, auf der Tafel leuchtet das neue Skore auf. Im Saal und hinter der Glaswand verfolgen zwei Dutzend Zuschauer das spannende Geschehen. Ende November treffen sich jeweils die besten Dreibanden-Spieler zur Austragung des Schweizer Meistertitels in der Nationalliga A. Gemäss der Jahresrangliste figurieren im diesjährigen Final gleich drei Spieler des Billard Club Zürich sowie zwei aus Genf und zwei aus Lausanne. Im Modus Round-Robin spielt jeder gegen jeden Best-of-Three (zwei Gewinnsätze), jeder Satz geht auf 15 Punkte oder maximal 20 Aufnahmen. Und Dreiband geht so: Der Billard-Tisch – ohne Löcher – misst 142 auf 284 Zentimeter, gespielt wird mit drei Kugeln, einer Weissen, einer Gelben und einer Roten. Der Spieler hat entweder die gelbe oder die weisse Kugel, mit der er die andern beiden Kugeln in einem einzigen Stoss treffen muss, und damit eine Carambolage erzielt. Dabei ist die Reihenfolge der Farben unerheblich. Ausserdem muss beim Dreiband, bevor die Carambolage erzielt wird, die eigene Kugel mindestens drei Banden berührt haben. Jede Carambolage berechtigt zum Weiterspielen, und wird dem Spieler mit einem Punkt gutgeschrieben. Er fährt das Spiel mit der Position fort, die er nach dem letzten Stoss auf dem Tisch hinterlassen hat. Wenn der Spieler verfehlt, so übernimmt der Gegner das Spiel so, wie die Kugeln gerade liegen, und versucht nun seinerseits, die Carambolage zu erzielen. Langjährige Spielerfahrung, Variantenreichtum, abwechslungsreiche Spielgestaltung, eine gute Stosstechnik und mentale Stärke sind gefragt. Seit zwei Jahren rüttelt der Billard Club Zürich an der Dominanz der welschen Clubs. Wie im Vorjahr konnte nun auch bei der diesjährigen Austragung der BCZ-Spieler René Hendriksen den Schweizer Meistertitel holen, mit fünf Siegen in sechs Spielen und einem Gesamtdurchschnitt von 0,874. Was soviel heisst: Hendriksen ist an diesem Wochenende 207 Mal an den Tisch getreten und hat insgesamt 181 Punkte erzielt. Die Silbermedaille ging – wie ebenfalls im Vorjahr – an Jan Niederlander vom Billardclub Genf, die Bronze-Medaille an den zweiten Dänen in den Reihen des Billard Club Zürich, Torsten Danielsson. Bemerkenswert ist weiterhin die Spielweise und Leistung des Genfer Clubpräsidenten Jan Niederlander, den Dominator der Schweizer Dreiband-Szene der letzten Jahrzehnte. Trotz derzeitiger Fussverletztung schaffte es der zehnfache Schweizermeister, mittlerweile 68 Jahre alt, erneut aufs Podest. Die letzten Kugeln sind gespielt, alle Entscheidungen gefallen. Die Lichter an den Billardtischen werden gelöscht. Im Clubraum hört man Flaschen entkorken. Zur Siegerehrung wird mit einem Glas Rotwein angestossen, die Spieler sitzen alle am grossen Tisch, während die Resultate und Bestleistungen verkündet werden und die drei Medaillen verteilt werden. Tradition wird im Carambole Billard gross geschrieben, schliesslich ist der Billard Club Zürich auch schon 98 Jahre alt - und derzeit so erfolgreich wie schon lange nicht mehr. (Tages-Anzeiger, 27. November 2007) |